Neu im Team: Anna – Designerin, Sprachtalent, Kriegsflüchtling

Matthias Petri 5. August 2015

Zum ersten August dürfen wir in unserem Team Anna herzlich als neue Mitarbeiterin der 4eck Media GmbH & Co. KG begrüßen. Das Besondere an Anna ist vermutlich ihre Heimat: wer sich an die Bilder aus der Ost-Ukraine erinnert, bei der ganze Straßenzüge und ein Flughafen zerstört sind … genau, das ist Luhansk. Ihre Heimat. Als Flüchtling kam sie jüngst mit Ehemann und zweijähriger Tochter nach Deutschland – im Gepäck ein Abschluss in Grafik-Design von der Staatlichen Universität Luhansk und den Ehrgeiz, hier in Deutschland mit ihrer Familie neu anzufangen.

Vielleicht nennen wir ihre Aufnahme in unserem Team einfach unsere Art der direkten Flüchtlingshilfe, wo andere weder Annäherung noch Duldung wünschen. Vielleicht ist es auch einfach eine glückliche Fügung, wenn sich die Wege einer kreativen Agentur mit Biss und einer jungen Frau mit Talent durch geopolitische Wirren am Ende im beschaulichen Mecklenburg kreuzen.

Anna Demianenko

Wir sind ganz ehrlich: Anna hat uns überrascht. Vom ersten Eindruck, vom zweiten und auch jetzt vom dritten. Wir erhalten relativ regelmäßig Initiativbewerbungen. Ihre Bewerbung gehörte zu den besten, die uns bisher geschickt wurden. Warum – so fragten wir uns – kann eine Ukrainerin bereits bei der Bewerbung und der Portfolioschau dort Akzente setzen, wo viele hiesige Mediengestalter bisher weniger Glanz versprühten? Ihr Portfolio war überzeugend, ihre Arbeiten handwerklich sauber und kreativ vielfältig. In der Ukraine arbeitete sie für einen größeren Verlag und auch für ein Hochglanzmagazin als Designerin.

Sie erhielt unsere Einladung zum Vorstellungsgespräch. Ein nettes Gespräch, das Abklopfen gegenseitiger Vorstellungen und Erwartungen und unsere Bereitschaft, dass wir ein paar Telefonate mit der Ausländerbehörde, dem Sozialamt und der Arbeitsagentur führen werden. So wie Deutschland für Anna neues Terrain war, ist die Verfahrensweise bei Flüchtlingen auch für uns absolutes Neuland gewesen. Wir konnten also nichts verbindlich zusagen, da ihr Aufenthaltstitel keine Erwerbstätigkeit bis dahin erlaubte. Überraschung Nummer 2: Anna fragte nach Hausaufgaben für die Wartezeit, bis das Rechtliche geklärt ist. Erfrischend! Das hatten wir noch nicht erlebt in der Vergangenheit. Alle bisherigen Bewerber begnügten sich mit unserer Absage oder der Ansage, dass aktuell leider kein Bedarf da sei. Kreative mit Engagement müssten in unseren Augen versuchen, potentielle Arbeitgeber von ihren Talenten und Fähigkeiten zu überzeugen. Ein Angebot zum Probepraktikum vielleicht …

Die Klärung und die Termine mit den Behörden dauerten in der Tat Wochen. Und in dieser Zeit vervollständigte Anna ihre bereits ohnehin schon beeindruckende Werkschau mit weiteren Designs – unseren Hausaufgaben.

Zum Montag und dem organisierten Umzug nach Waren war es dann soweit: Annas erster Tag bei uns in der Agentur und Überraschung Nummer 3: Anna spricht verhältnismäßig gut deutsch. Sie hat die Wartezeit genutzt und unsere Sprache gepaukt. Natürlich spricht sie noch gebrochen und das Vokabular ist auch noch überschaubar. Wir müssen langsam und besonders deutlich sprechen. Aber dennoch sind wir beeindruckt, welche sprachlichen Fortschritte sie bisher gemacht hat. Kriegsflüchtling und Sprachtalent, wow!

Wir freuen uns über unseren Neuzugang und sind gespannt, wie sich das Leben für Anna und ihre Familie hier an der Müritz weiter gestaltet. Einen kleinen Beitrag konnten wir dafür schon leisten als ihr neuer Arbeitgeber. Und Hand aufs Herz: es fühlt sich gut an.

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