Vortrag am Schloss Torgelow: Bewerbung & Interview souverän meistern

31.01.2026

Stell dir vor, du müsstest spontan die „großen“ US-Präsidenten aufzählen. Viele kennen Abraham Lincoln, Bill Clinton oder Donald Trump … und auffällig viele von ihnen waren sehr groß. Die „kleineren“ Präsidenten dagegen? Oft weniger präsent im kollektiven Gedächtnis. Zufall? Nicht ganz. Oder kennst du noch James Madison (163 cm) oder Benjamin Harrison (168 cm)?

Genau hier greift ein psychologischer Effekt, der auch im Vorstellungsgespräch wirkt: der Halo-Effekt und im Speziellen der Height Bias. Bestimmte Merkmale (z. B. Körpergröße, Attraktivität, ein „stimmiges“ Erscheinungsbild) sorgen dafür, dass Menschen uns schneller Kompetenz, Souveränität oder Führungsstärke zuschreiben, bevor überhaupt ein Inhalt bewertet wird. Das ist unfair, aber es ist Realität. Und genau deshalb lohnt sich Vorbereitung: Wer versteht, wie Wahrnehmung funktioniert, kann gezielt an den Stellschrauben drehen, die wirklich zählen: von Auftreten und Dresscode (rot macht sympathisch) bis zur Frage, warum „Kaffee“ beim angebotenen Getränk oft die smarteste Antwort ist.

Und darum ist es im Bewerbungsprozess wichtig für dich: Du konkurrierst nicht nur mit Bewerbern, die ähnliche Noten oder Skills haben, sondern oft auch mit Menschen, die durch äußere Faktoren einen vorurteilsbehafteten Startvorteil mitbringen – etwa weil sie größer wirken, „charismatischer“ rüberkommen oder einfach dem gängigen Bild von Professionalität stärker entsprechen. Das fühlt sich unfair an, ändert aber nichts daran, dass diese Effekte in der Realität mitlaufen.

Die Lösung ist nicht „verstellen“. Die Lösung ist bewusst werden und dann die Stellschrauben nutzen, die du aktiv steuern kannst: Auftreten, Struktur, Vorbereitung, Sprache, Fragen und sogar Kleinigkeiten, die im Gespräch Wirkung entfalten (zum Beispiel die Frage, warum „Kaffee“ beim angebotenen Getränk oft die smarteste Wahl ist).

Genau diese Mechanismen – und vor allem die praktischen Stellschrauben dagegen – standen im Mittelpunkt meines Vortrags am 19. Januar im Rahmen der Berufsorientierung am Schloss Torgelow. Vor rund 50 Schülern ging es darum, wie man Bewerbungsunterlagen strukturiert aufbaut, typische No-Gos vermeidet und im Vorstellungsgespräch einen souveränen, professionellen Eindruck hinterlässt. Als Partnerunternehmen begleiten wir Schloss Torgelow dabei, den Schritt von der Schule in Ausbildung oder Studium greifbar zu machen – und geben Einblicke aus der Praxis, die man so in keinem Lehrbuch findet.

Bewerbungsvortrag am Schloss Torgelow

Inhalte des Bewerbungsvortrags

Insgesamt waren es 101 Folien, die in 45 Minuten präsentiert wurden. Es ging konkret um:

1) Bewerbung ist Eigenwerbung – aber bitte mit Plan

Eine der wichtigsten Botschaften: Eine Bewerbung ist Eigenwerbung. Heißt nicht „laut sein“, sondern klar: Was kann ich? Was will ich? Und warum passt das zu dieser Stelle?

Wer das sauber für sich beantwortet, schreibt automatisch bessere Unterlagen und wirkt im Gespräch deutlich sicherer.

2) Realität auf dem Arbeitsmarkt: Beziehungen & Sichtbarkeit zählen

In den Folien steckt eine Zahl, die bei vielen hängen bleibt: Nur etwa ein Zehntel der Bewerbungen führt überhaupt zum Gespräch. Sehr viele Stellen werden über persönliche Kontakte besetzt. Das ist kein Grund zu resignieren, sondern ein Hinweis auf die Strategie: Netzwerk, persönliche Beziehungen aufbauen, Sichtbarkeit, Auftreten gehören heute dazu. Praktisch heißt das:

  • Unternehmen nicht nur „kalt“ anschreiben, sondern anrufen, nachfragen, Kontakte nutzen.
  • Branchentreffen, Events, Kommentare & sinnvolle Kontaktaufnahmen helfen mehr als man denkt.

3) Ihr seid euer eigener Markenbotschafter – auch online

Ein Punkt, den viele unterschätzen: Recruiter googeln. Und zwar schnell. Darum die Empfehlung aus dem Vortrag: Einmal die eigene Person „im Gastmodus“ recherchieren, Profile prüfen, aufräumen oder gezielt sauber aufsetzen.

Das muss kein Influencer-Ding sein. Es geht um einen stimmigen Eindruck: Foto, Inhalte, Tonalität, keine peinlichen Altlasten.

4) Die häufigsten Bewerbungs-No-Gos (und wie man sie easy vermeidet)

Im zweiten Teil ging es um typische Fehler, die Bewerbungen unnötig schwächen – obwohl sie leicht zu fixen sind:

  • Unsauberer Aufbau der Bewerbungsunterlagen und fehlende Struktur
  • Beliebige Schriftarten / wildes Font-Mixing statt konsistentem Design (Stichwort „Font-Pairing“)
  • Rechtschreibung & Grammatik (wirkt immer – leider)
  • Layout, Stile, Formate: Kleinigkeiten entscheiden über „professionell“ vs. „zusammengeklickt“

Merksatz: Viele Absagen passieren nicht wegen „Inhalt“, sondern wegen Wirkung.

5) Anschreiben: weniger „Ich“, mehr Nutzen

Beim Anschreiben gilt: Ansprechpartner nennen, 3–4 Absätze, nutzenbasiert pitchen.

Und ja: Unternehmen wissen, dass man Tools wie ChatGPT nutzt – entscheidend ist, dass am Ende eure Geschichte & euer Nutzen rauskommen.

Ein hilfreicher Denkrahmen aus den Folien: People, Processes (Products), Profit – also: Wie unterstütze ich Menschen, Prozesse oder Ergebnisse?

6) Lebenslauf, Anlagen & Zertifikate: Relevanz schlägt Menge

Beim Lebenslauf lautete die Leitidee: Relevanz für den Job beachten. Dazu gehören auch saubere Scans (gerade ausrichten, Graubereiche korrigieren) und gut lesbare Anlagen.

Für Kompetenz-Nachweise wurden zwei konkrete Empfehlungen genannt: Google Zukunftswerkstatt & TutKit.com.

Im Rahmen des Vortrags wurden auch Beispiele von modernen Bewerbungsvorlagen und Lebenslaufvorlagen gezeigt.

Moderne Lebenslaufvorlagen

7) Vorstellungsgespräch: Halo-Effekt, Auftreten & der persönliche Pitch

Ein starker Abschnitt drehte sich um den Halo-Effekt: Menschen schließen von einzelnen Merkmalen (Auftreten, Stimme, Präsenz) schnell auf „Kompetenz“ – oft ohne es zu merken.

Das ist kein Aufruf zur Show, sondern zur Vorbereitung:

  • Dresscode & gepflegtes Auftreten als Standard
  • Souveräne Präsenz (Körpersprache, „Power-Posen“ als Übung)
  • Der persönliche Pitch: Kompetenzen & Meilensteine sammeln und daraus eine kurze, erlebbare Story bauen – dann üben, üben, üben.

Und ganz wichtig: Mindestens fünf Rückfragen vorbereiten … nicht zur Work-Life-Balance, sondern zu Unternehmen und Job. Das zeigt echtes Interesse.

8) Kleines Finale mit großer Wirkung: Ziele, Routinen, Nachfassen

Zum Abschluss ging es um „kleine Veränderungen mit riesigen Auswirkungen“: täglich 20 Minuten lesen, Videos, Podcasts – und Ziele aufschreiben.

Diese Klarheit macht im Bewerbungsprozess einen echten Unterschied – weil man weniger „irgendwas“ macht und mehr „gezielt“ vorgeht.

Rezensionen zum Bewerbungsvortrag

Bereits der dritte Vortrag und wieder tolles Feedback

Für mich war dieser Termin am Schloss Torgelow bereits der dritte Bewerbungsvortrag im Rahmen der Berufsorientierung. Hier gibt es eine News auf der Website von Schloss Torgelow vom letzten Jahr. Genau solche Momente zeigen, wie wertvoll kontinuierliche Praxisimpulse für Schüler sind. Umso mehr hat mich gefreut, dass nach dem Vortrag nicht nur viele Fragen kamen, sondern auch direkt positives Feedback:

  • Tolle Präsentation und super Vortrag, große Klasse!
  • Super interessant und unterhaltsam!
  • Wirkt hoch kompetent und hilft in einem lockeren Stil mit viel Humor.“

Danke an alle Teilnehmenden für die Aufmerksamkeit und die offene Fragerunde. Genau solche Termine sind für uns ein echter Mehrwert: Nicht nur digital Dinge bauen, sondern Menschen helfen, sicherer aufzutreten und bessere Entscheidungen für ihren nächsten Schritt zu treffen.