Case Study: Mehrsprachigkeit (6 Sprachen) mit WPML + DeepL von Schul-Websites
Wenn eine Schulwebsite plötzlich in Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Türkisch und Russisch funktionieren soll, klingt das erst mal nach einem simplen Plugin-Job: WPML installieren, DeepL verbinden, fertig. Spoiler: Genau so entstehen die Projekte, bei denen danach 1.000 Kleinigkeiten knirschen: von Links, die immer wieder auf die deutschen URLs führen über komplett kaputte Ankerlinks und schief übersetzte Brandnames bis hin zu SEO-Metadaten, die fröhlich im Nirvana verschwinden. Bei Schloss Torgelow und dem Kurpfalz-Internat war das Ziel deshalb nicht „mehrsprachig“, sondern mehrsprachig UND sauber. Also: technisch stabil, redaktionell steuerbar, SEO-konform und messbar abgesichert. Dafür braucht es schon eine Art von Besessenheit. Dazu mehr in dieser Case Study zur Mehrsprachigkeit mit WPML in WordPress MultiSite Setup.
WPML + DeepL: Turbo – aber nur mit Leitplanken
Ja: Die automatisierte Übersetzung über DeepL ist ein riesiger Beschleuniger. Gerade bei großen Projekten mit vielen Seitentypen, wiederkehrenden Modulen und hunderten Detailtexten.
Aber: Eine Schulwebsite ist kein Flyer. Sie ist ein System aus Menüs, Komponenten, Templates, SEO-Feldern, Medien, CTA-Elementen, Buttons, Formularen, Navigationen, Blöcken, wiederverwendbaren Patterns und allem, was Content Editoren im Alltag anfassen.
Damit WPML überhaupt „richtig“ übersetzen kann, muss zuerst klar sein:
- Welche Inhalte werden übersetzt?
- Welche Inhalte dürfen niemals übersetzt werden?
- Wie werden Sonderfälle technisch gelöst, bevor man sie skaliert?
Genau diese Vorbereitung ist die eigentliche Königsdisziplin.
Was nicht übersetzt werden darf: Brandnames, Ankerlinks & Co.
Ein Klassiker: DeepL macht seinen Job und übersetzt plötzlich auch Dinge, die identitätsstiftend sind oder technisch funktionieren müssen.
Brandnames bleiben Brandnames
Schloss Torgelow ist Schloss Torgelow.
Kurpfalz-Internat ist Kurpfalz-Internat.
Und aus einem Marc Herz darf kein Marc Heart werden.
Das klingt banal, ist aber in der Praxis entscheidend, weil diese Begriffe und Eigentümlichkeiten an zig Stellen auftauchen: im Fließtext, in Navigationen, in Snippets, in Bilddaten, in strukturierten Inhalten. Sobald daraus „Castle Torgelow“ oder „Kurpfalz Boarding School“ wird, verliert man Wiedererkennbarkeit und Konsistenz (und im Zweifel auch Suchintention). Wobei Boarding School für Internat richtig, sofern es unabhängig von Kurpfalz auftaucht.
Ankerlinks nicht anfassen
Viele moderne Websites arbeiten mit Sprungmarken („#bewerbung“, „#internat“, „#kontakt“). Wenn diese Anker bei der Übersetzung verändert werden, funktionieren Buttons, Inhaltsverzeichnisse und interne Sprünge nicht mehr.
Deshalb gilt: Anker bleiben stabil, die sichtbare Beschriftung kann übersetzt werden … die Technik dahinter nicht.
SEO-Metadaten & Bilder: „Mitübersetzen“ reicht nicht
Bei beiden Projekten wurden nicht nur Seiteninhalte übersetzt, sondern konsequent auch:
- SEO-Titles & Meta-Descriptions
- Open-Graph-Daten
- Alt-Texte / Titel / Beschreibungen der Bilder
- Medien-SEO, wo es Sinn macht
Wichtig dabei: Viele dieser Informationen liegen nicht „im Content“, sondern im SEO-Plugin – hier also auch im Yoast-Ökosystem.
Heißt: Man muss sicherstellen, dass WPML die relevanten Felder erkennt, korrekt übergibt und die Übersetzungen pro Sprache sauber ausspielt. Sonst sieht die Seite zwar übersetzt aus, aber Google bekommt weiterhin DE-Metadaten serviert. (Und das wäre… sagen wir… suboptimal.)
Komponenten müssen WPML-fähig sein
Ein WordPress Multisite-Setup mit flexibel kombinierbaren Sektionen ist genial,aber nur, wenn jede Komponente auch „übersetzbar“ gebaut ist:
- saubere Feldlogik (was ist Text, was ist Link, was ist Label?)
- klar definierte String-Übergabe an WPML
- wiederverwendbare Module ohne „hardcoded“ Inhalte
- konsistente Templates, damit Übersetzungen nicht auseinanderlaufen
Kurz: Man übersetzt nicht Seiten, man übersetzt Bausteine. Und wenn Bausteine sauber vorbereitet sind, skaliert das Ganze auch bei 1.000+ Seiten.
Slugs: übersetzt, ohne Linkchaos und ohne Kyrillisch
Bei großen Websites sind Slugs kein Detail, sondern Struktur: Sie hängen an Redirects, internen Links, Rankings, externen Verweisen und an der täglichen Redaktion. In unserem Setup wurden:
- Slugs pro Sprache sinnvoll übersetzt
- die Linklogik so gebaut, dass im Frontend immer die korrekte Sprach-URL ausgegeben wird (ohne Linkfehler-Kaskaden)
Besonders wichtig war dabei Russisch: Hier wollten wir keine kyrillischen Slugs, sondern saubere, lateinisch transkribierte URLs. Dafür muss WordPress (bzw. das Slug-Verhalten im Zusammenspiel mit WPML) entsprechend eingestellt werden, damit aus russischen Titeln ASCII-konforme Slugs entstehen, technisch sauber, SEO-freundlich und in der Praxis wartbar.
Fonts & Sonderzeichen: Performance vs. korrekte Typografie
Performance ist bei uns kein „Nice to have“ in Projekten. Wir als Agentur sind geradezu bessen davon, grüne Werte beim PageSpeed auch für mobile Ansichten zu erhalten, also 90+ bei PageSpeed Insights. Große Fontdateien gehören zu den häufigsten Bremsklötzen. Gleichzeitig gilt: Wenn eine Website Türkisch und Russisch sauber abbilden soll, müssen die Schriftsätze auch:
- türkische Sonderzeichen korrekt enthalten
- kyrillische Zeichen korrekt enthalten
- nicht plötzlich durch Systemfonts ersetzt werden (was optisch sofort auffällt)
Gerade bei vielen Sprachversionen wird häufig von Performanceproblemen in der Community berichtet. Und das ist auch logisch: mehr Sprachdateien, zusätzliche Font-Sets (z. B. für Türkisch & Kyrillisch), mehr Templates/Assets und oft auch mehr Skripte im Übersetzungs-Stack. Auch bei diesem Projekt haben wir die typischen Bremsfaktoren gesehen und deshalb einen PageSpeed-Optimierungssprint gefahren mit sauberem Asset-Handling, optimierten Fonts und konsequenter technischer Straffung. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Performance 96 bei mobilem PageSpeed für eine sechssprachige WordPress-Website, die ein MultiSite-Setup hat und WPML einsetzt und knapp 2.800 Unterseiten enthält.
Die Startseite, die hier getestet wurde, beinhaltet:
- ein Menü mit Bildinhalten
- eine Slideshow im Hero-Bereich
- weitere 14 Bilder auf Pixelbasis
- eine Vielzahl an Icons und Logos
- Cookiebanner und Tracking-Skripte für Google Analytics, Google Ads und Google Tag Manager
- eine Chatbox-Integration mit vorgeschaltetem Video
Ich möchte deutlich machen, dass hier alles drin ist, was aus Performance-Sicht durchaus die Werte in den gelben oder roten Bereich drückt. Unsere Besessenheit für PageSpeed-Optimierung ließ keine Kompromisse zu und wir verbesserten die Codebasis und Auslieferung, bis die Werte sauber waren.
Sprachlokalisierte Videoansprache im Chatbot – mit HeyGen
Ein schönes Extra (und ein echter UX-Booster) war die Sprachlokalisierung der videobasierten Nutzeransprache im Chatbot: Die Videos wurden pro Sprache angepasst – mithilfe von KI-Workflow und dem Tool HeyGen. Dazu wurden die Aussprache von Brandname und Eigenname phonetisch korrekt hinterlegt und für den Gesamttext noch eine .srt-Datei für die Transkription hinterlegt. Ändere gern einmal die Sprache unten im Footer und schaue dir die verschiedenen Sprachvarianten des Videos an. Es ist beeindruckend.
O-Ton von unserem Kunden Mario Lehmann: „Meine Damen amüsieren sich köstlich über ihre Sprachkenntnisse. 😉“ Mehrsprachigkeit darf eben auch Spaß machen, solange sie technisch sauber bleibt.
Qualitätssicherung: Seobility als Sicherheitsnetz für große Übersetzungsprojekte
Bei Mehrsprachigkeit ist der größte Fehler: „Wird schon passen.“ Wir sichern solche Projekte deshalb konsequent mit einem Crawl ab und zwar nicht nur stichprobenartig, sondern als Teil unserer Qualitätssicherung.
- Schloss Torgelow: ca. 2.770 gecrawlte Seiten
- Kurpfalz-Internat: ca. 1.687 gecrawlte Seiten
So lassen sich typische Übersetzungs-Fallen systematisch finden und beheben: kaputte interne Links, fehlende Titles, doppelte Descriptions, Hreflang-Probleme, Indexierungsfehler, Medien-Alt-Texte, Weiterleitungen, Canonicals etc.
Das Ergebnis: Topwerte in der OnPage-Qualität und ein Projekt, das nicht nur „mehrsprachig aussieht“, sondern auch unter der Haube stimmt. Lass mich die Werte oben einmal einordnen. Über 90 Prozent bei Seobility schaffen die wenigsten Websitebetreiber mit ihrer Website, wenn sie nur in deutscher Sprache läuft. Bei sechs Sprachen und 2.770 sowie 1.687 Unterseiten sind solche Scores ein Beleg von gnadenloser Disziplin im Interesse des Projekterfolgt für den Kunden.
Indexierung: schnell, sauber und sichtbar im Verlauf
Ein Highlight war die Geschwindigkeit, mit der Google die neuen Sprach-URLs aufgenommen hat. In der Search Console sieht man sehr schön den Verlauf: Nach dem Relaunch Ende 2025 wurden alte Typo3-URLs rasch abgebaut. Mit der Freischaltung dwer neuen neue Sprachversionen stieg die Anzahl der indexierten Seiten zügig an. Für Schloss Torgelow sind es aktuell 2.479 indexierte Seiten. Knapp 10 Prozent der Seiten fehlen noch im Index, aber das wird sicherlich in Kürze auch passieren.
Genau so soll Migration mit Mehrsprachigkeit aussehen: kontrolliert, nachvollziehbar, ohne Sichtbarkeitsbruch.
Fazit: Gelungene Mehrsprachigkeit bleibt eine Königsdisziplin
WPML + DeepL liefern Geschwindigkeit. Die Qualität entsteht durch Vorbereitung, Regelwerk und Absicherung:
- klare „nicht übersetzen“-Logik (Brandnames, Anker, technische Strings)
- übersetzbare Komponenten statt Chaos im Page-Builder-Stil
- SEO-Metadaten inkl. Yoast wirklich mehrsprachig
- Slugs sauber, wartbar, ohne kyrillische URLs
- Performance & Fonts im Griff
- Crawlbasierte Qualitätssicherung über alle Sprachverzeichnisse
Richtig gemachte Mehrsprachigkeit bleibt eine Königsdisziplin, besonders dann, wenn eine Website nicht nur „übersetzt“, sondern SEO-stark, barrierefrei und performant live gehen soll. Wenn Sie ebenfalls eine Website mit WPML (oder einem anderen Setup) mehrsprachig ausrollen möchten – inklusive sauberer Slugs, korrekt übersetzter SEO-Metadaten, stabiler Ankerlinks und abgesicherter Qualität über Crawls: Melden Sie sich bei uns. Wir zeigen Ihnen in einem kurzen Call, welche Architektur für Ihr Projekt passt – und setzen das Ganze so um, dass Google, KI-Antwortsysteme wie ChatGPT oder Gemini und natürlich Ihre Nutzer es lieben.